„Gleich sind wir da“ – Von Zeitangaben und Schwierigkeitsbewertung

Sie haben in den Bergen lautstarkes Fluchen, mittelschwere Ehekrisen und unkontrollierte Heulkrämpfe zu verantworten: Wegweiser, auf denen die Gehzeiten angegeben sind. Auf der einen Seite freut sich so machen über ihren Anblick, weil er sich auf dem falschen Weg wähnte, auf der anderen Seite können die Zeitangaben zum nächsten Wegpunkt oder zum Ziel furchtbar demotivierend und irritierend sein. Denn ja, es kommt vor, dass auf dem letzten Schild, das man vor einer Stunde passierte, stand, es seien noch zwei Stunden zum Ziel und auf dem aktuellen Pfeil steht ebenfalls noch „2 Stunden“. Zum Glück sind diese fehlerhaften Beschriftungen die Ausnahme. Hüttenwirte, Alpenvereine und Tourismusämter sind bemüht, dies schnell zu korrigieren.

„Jeder Jeck ist anders“
Fakt bleibt jedoch: Die Angaben – sowohl die zur Dauer, als auch zum Schwierigkeitsgrad – sind menschgemacht. Und Menschen sind sehr unterschiedlich. Auch und vor allem in ihrem Gehtempo und in ihrem Empfinden für Schwierigkeiten. Was der eine ganz entspannt als einfachen (blauen) oder maximal mittelschweren (roten) Weg einstuft, treibt dem anderen schon Schweißperlen auf die Stirn. Und währen der eine Wanderer die Strecke ohne viel zu schnaufen in den angegebenen drei Stunden läuft, ist der andere auch nach knapp vier Stunden noch nicht am Ziel. Berücksichtige also immer: Die angegebenen Zeiten sind lediglich als ungefähre Angabe zu sehen.

Gehzeiten berechnen
Es gibt jedoch eine alpgemeingültige Formel, mit der die Marschzeiten berechnet werden. Dabei gehst Du davon aus, dass Du in einer Stunde vier Kilometer in der Entfernung, 400 Höhenmeter im Aufstieg und 500 Höhenmeter im Abstieg bewältigen kannst. Nun berechnest Du den Zeitbedarf für den zu bewältigenden Höhenunterschied. Dann für die Wegstrecke in der Entfernung. Zum Schluss halbierst Du den kleineren Wert und addierst ihn zum größeren. Ein konkretes Beispiel: Deine heutige Etappe führt über 1200 Höhenmeter im Aufstieg, 1000 Höhenmeter im Abstieg und 16 Kilometer Länge. Für den Aufstieg benötigst Du demnach 3 Stunden (1200:400), für den Abstieg 2 Stunden (1000:500) und für die Distanz 4 Stunden (16:4). Für die Höhenunterschiede sind es also 5 Stunden, für die Entfernung 4 Stunden. Den kleineren Wert (4) halbierst Du, also 2, und addierst ihn zum größeren (5). Deine Gesamtgehzeit wird also etwa 7 Stunden betragen. Liest sich kompliziert, wird Dir aber bald in Fleisch und Blut übergehen. Wenn Du merkst, dass Du eher gemütlich unterwegs bist, planst Du für den Aufstieg statt 400 Höhenmetern eher 300 ein. Für alle, die kopfrechenfaul sind: Der Deutsche Alpenverein bietet online einen Gehzeitenrechner an, in den Du die Werte einfach eingeben kannst.

Viele schwierige (schwarz) Wege auf dem Berliner Höhenweg.

Schilderwald

Leider gibt’s in den Alpen keine einheitliche Beschilderung. Während die Einteilung in Deutschland und Österreich fast überall auf gelben Wegweisern zu finden ist und die Schwierigkeitsklassen blau, rot und schwarz nutzt, sind die Wegweiser in der Schweiz für Wanderwege gelb, für Bergwanderwege weiß-rot-weiß und für alpine Routen mit erhöhten Anforderungen weiß-blau-weiß. In Südtirol findest Du meist Wegweiser aus Holz mit rot-weiß-roter Pfeilspitze. Darauf stehen Nah- und Fernziele mit oder ohne Zeitangabe. Zusätzlich steht auf den Schildern die Nummer des Weges. Was dagegen fehlt, ist eine Schwierigkeitsangabe. Wichtigstes Instrument bleibt also eine sorgfältige Tourenvorbereitung, bei der Du Dich intensiv mit Gehzeiten, Alternativwegen und Schwierigkeiten auseinandersetzen solltest – und zwar schon Daheim auf dem Sofa.

Leicht, mittel, schwierig? Dazu machen diese Schilder keine Angaben.

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