Tausendsassa in Wolkenhäusern – Der Alltag der Hüttenwirte

Sie weisen uns einen Schlafplatz für die Nacht zu, kochen uns satt & glücklich, geben wertvolle Auskünfte zu Weg & Wetter und haben (fast) immer ein offenes Ohr für ihre Gäste: Hüttenwirtinnen und Hüttenwirte. Oftmals sind sie es, die einen Besuch auf den Hütten unvergesslich machen. Doch wie sieht der Alltag dort oben eigentlich aus? 

Sie oder er ist der Chef. Manchen sieht (oder hört) man das schon quer durch die Stube an, andere Exemplare sind erst auf den zweiten Blick als Boss zu erkennen. So oder so: Ein wenig Demut ist die beste Zutat für den Erstkontakt. Wobei die allermeisten Hüttenwirtinne und –wirte schon schwer zufrieden sind, wenn der Gast bei Ankunft Schuhe und Stöcke im Schuhraum verstaut und sich sogleich angemeldet hat. „Der Kunde ist König“, diese Dienstleistungsmentalität gilt auf Hütten eingeschränkt. „Die Wirtin und der Wirt haben immer Recht“, passt schon eher. Und tatsächlich sollte man sich an das halten, was die Wirte sagen. Vor allem in Bezug auf Wetterprognosen, Begehbarkeit der Wege und natürlich Verhalten auf ihrer Hütte. 

Braunschweiger Hütte am Abend. Foto: Christoph Jorda

Wie wird man eigentlich Hüttenwirt?
Die Alpenvereine schreiben ihre Hütten zur Pacht aus. Die Anforderungen an den Mieter sind je nach Lage der Hütte sehr unterschiedlich. Was immer gewünscht ist, sind Erfahrungen in der Gastronomie (für die in Bayern liegenden Hütten des DAV müssen Pachtinteressenten eine abgeschlossene Ausbildung im Gastrogewerbe bzw. einen Kurs in Gastwirtunterrichtung nachweisen, für die in Österreich liegenden Hütten des DAV benötigen alle Wirte sogar eine Gastgewerbeberechtigung). Dazu kommen ein ausgeprägtes technisches Verständnis sowie alpine Kenntnisse und eine Erste-Hilfe-Ausbildung. Vor allem auf Hütten im Hochgebirge sind die letzten beiden Punkte besonders wichtig. Auf jeden Fall sind Hüttenwirte Alleskönner. Sie müssen die Logistik per Materialbahn oder Hubschrauber organisieren, die Versorgungsanlagen ebenso bedienen können wir Blockheizkraftwerke und den Herd. Dann gilt es noch, sämtliche Fragen zu Wetter, Umgebung und Wegen zu beantworten, die neugierige Besucher stellen, ein gutes Essen zu kochen und zu servieren und die Zimmer und Lager in Ordnung zu halten. Von der romantischen Vorstellung, die Wirte säßen stundenlang besinnlich schauen vor ihren Hütten, ist der Alltag hier oben zumindest in den allermeisten Fällen weit entfernt. Vier bis fünf Monate gibt es – bei stark frequentierten Hütten – nur ein Wort: Vollgas. 18 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. „Früher beschränkten sich die Stoßzeiten auf die Ferien“, erzählt etwa Gabi Braxmair, Wirtin der Kemptner Hütte. „Ich erinnere mich, dass wir oft mit dem Personal gemütlich Mittag gegessen und draußen Kissen für die Hütte genäht haben.“ Das geht heute nicht mehr. Stattdessen muss nach Hüttenruhe um 22 Uhr noch aufgeräumt werden, das Reservierungssystem gepflegt, Abrechnungen gemacht und Steuerunterlagen verschickt werden. 

Viel zu tun: In der Gaststube der Braunschweiger Hütte

Lasst es Euch schmecken!
Der Betrieb einer Hütte ist übrigens in zwei Bereiche gegliedert, die Gastronomie und die Beherbergung. Während die Gastronomie an die Hüttenwirte verpachtet wird und von ihnen eigenständig bewirtschaftet wird, bleibt der Logisbereich „Eigentum“ der Sektion. Die Einnahmen für die Übernachtung gehen – bis auf wenige Euro – an die DAV-Sektion. In der Hauptsache lebt der Wirt also von den Einnahmen durch Essen und Trinken. Wer möchte, dass die Hüttenwirte gut über die Runden kommen, gibt sein Geld genau dafür aus und verzichtet darauf, im Supermarkt im Tal einzukaufen und das Mitgebrachte auf den Hütten zu verspeisen – auch es es auch den meisten Alpenvereinshütten erlaubt ist, das eigene Essen mitzubringen (nicht aber die Getränke). 

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