Das weiße Gold: Schnee von gestern? Gedanken zum Winter…

Es ist Winter. Mitte Januar, ich wohne auf 800 Metern Höhe und ich blicke auf grüne Wiesen. Mein Hirn rattert – Da passt doch was nicht zusammen… Das rund um Weihnachten eine schneefreie Phase kommt (nachdem es eigentlich immer davor schon signifikant geschneit hatte), das kannte ich. Aber dann folge spätestens Anfang Januar das weiße Erwachen mit viel, viel Schnee. In diesem Jahr ist es anders. Auch für die nächsten Wochen ist nur Regen von oben in Sicht, die Schneefallgrenze bewegt sich zwischen 1200 und 2000 Metern. Traurige Fotos von grünen Wiesen mit schmalen Kunstschneestreifen gingen in den letzten Wochen durch die Medien. Und ich frage mich: Was macht das mit uns? Macht es überhaupt was mit uns?

Vor etwa 100 Jahren entstanden die ersten Skigebiete in den Alpen. Die Entwicklung war eher gemütlich. Wie Andreas Jäger in seinem lesenswerten Buch „Die Alpen im Fieber“ (Bergwelten-Verlag) schreibt, gab es in den gesamten Alpen 1954 gerade Mal 105 Skigebiete mit 570 Pistenkilometern. Mittlerweile sind wir bei über 20000 Kilometern angekommen. Tendenz steigend. Und wenn es nach den Betreibern der Skigebiete und Lifte geht, sollen immer mehr Gebiete zusammengelegt werden. Der Kampf um die Superlativ-Titel hört nicht auf. Leittragender ist – keine Überraschung – die Natur. Das wahnsinnige Projekt, die Skigebiete von Pitztal und Ötztal zusammen zu legen, dabei Felsen zu sprengen und sensibles Gletschergebiet auszunutzen, ist zum Glück vorerst vom Tisch.

Aber sind Skigebiete immer das „Böse“? Natürlich nicht! Skifahren macht ja nicht nur unglaublich Spaß, es ist auch ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Regionen. Das Problem ist allerdings: Schnee wird immer mehr zur Diva. Er kommt und geht, wann und wie er will und immer öfter bleibt er auf Grund der Klimakrise einfach aus. Die Skigebiete locken ihre Gäste aber mit „Schneegarantie“. Was tun? Die Lösung lag und liegt seit etwa 40 Jahren in der künstlichen Beschneiung. Damals als Notlösung für schneearme Winter erfunden, ist der künstliche heute vielerorts zum „Normalschnee“ geworden. Etwa 70000 Hektar Pistenfläche werden aus ca. 1500 Speicherbecken berieselt. Dafür ist laut Andreas Jäger der dreifache Jahreswasserverbrauch der Stadt München notwendig. Achja, Strom braucht man natürlich auch noch. Und wenn die Temperaturen nicht niedrig genug sind, hilft auch alles Beschneien nicht, das Weiß verschwindet direkt wieder. Alpenweit wird mit „Snowfarming“, dem Sammeln von Schneehaufen, die man versteckt unter Planen und Hackschnitzeln über den Sommer retten will, versucht, eine Ausgangsbasis zu erreichen. Irgendwie wirkt es wie eine Verzweiflungstat. Ist das alles noch zeitgemäß oder der absolute Irrsinn?

Experten gehen davon aus, dass es in Zukunft unter 1500 Meter Meereshöhe schwierig wird mit Schnee, selbst wenn die Winter feuchter werden würden. Das Nass käme wohl als Regen statt als Flocke daher. Was heißt das für Skigebiete und den niedrigen Lagen? Weiter Schnee produzieren um jeden Preis? Gibt’s ökologische und ökonomische Grenzen, oder ist alles erlaubt, was technisch funktioniert?

Als ich kürzlich mit einer Freundin über das Thema Schnee, Alpen und Skifahren sprach, sagte sie: „Ach, das interessiert mich eigentlich nicht so sehr, ich bin ja keine Wintersportlerin.“ Großer Fehler! Denn das Thema wird auch Nicht-Wintersportlerin betreffen. Jede/n von uns! Denn wenn in den Alpen weniger Schnee fällt, kommt es verstärkt zu Murenabgängen und Überschwemmungen. Wenig Schnee im Winter bedeutet wenig Schmelzwasser im Frühling und Sommer, was wiederum zu Niedrigwasser auf vielen bedeutenden Flüssen führt. In Zeiten, in denen die Sommer immer wärmer und trockener werden. Es sollte also im Interesse von uns allen liegen, die Erwärmung schleunigst einzudämmen, um eine lebenswerte Welt für unsere Kinder und Enkelkinder zu bewahren, die dann vielleicht auch (wieder) Schneemänner bauen könnten…

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